Gesundheit
CBD für Kinder: was belegt ist und was nicht
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Für Kinder gibt es genau ein zugelassenes CBD-Präparat: das verschreibungspflichtige Arzneimittel Epidyolex gegen Anfälle bei drei seltenen, schweren Epilepsieformen, ab zwei Jahren. Für alles andere, von Schlafproblemen über Unruhe bis zu Bauchweh, gibt es keinen belastbaren Nachweis, dass CBD hilft.
Dafür gibt es offene Sicherheitsfragen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam im Februar 2026 zum Schluss, dass sich die Sicherheit von CBD für Menschen unter 25 Jahren, für Schwangere, Stillende und alle, die Medikamente nehmen, nicht feststellen lässt (EFSA Journal, 2026). CBD-Öl aus dem Handel gehört deshalb nicht in Kinderhände.
Was CBD ist
Cannabidiol, kurz CBD, ist ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Anders als THC macht es nicht high. Viele Wirkungen, die CBD zugeschrieben werden, etwa gegen Angst, Entzündungen oder Schmerzen, sind laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit wissenschaftlich nicht belegt (AGES, Cannabidiol).
Wofür CBD bei Kindern zugelassen ist
Seit September 2019 ist Epidyolex in der EU als Arzneimittel zugelassen. Es enthält gereinigtes CBD und wird ab zwei Jahren eingesetzt, zusätzlich zu anderen Epilepsiemedikamenten (Europäische Arzneimittel-Agentur, Epidyolex):
- Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom, jeweils zusammen mit dem Wirkstoff Clobazam
- Tuberöse Sklerose, zusammen mit anderen Epilepsiemedikamenten
In Studien verringerte das Präparat bei Kindern und Erwachsenen mit diesen Erkrankungen die Zahl der Anfälle (MSD Manual, Cannabidiol). Verschrieben und überwacht wird es von Fachärztinnen und Fachärzten. Mit CBD-Öl aus dem Shop ist es nicht vergleichbar, denn als Arzneimittel ist es in Wirkstoffmenge und Reinheit geprüft.
Welche Nebenwirkungen bekannt sind
Aus den Studien zu Epidyolex nennt die Europäische Arzneimittel-Agentur als häufigste Nebenwirkungen:
- Schläfrigkeit und Müdigkeit
- verminderter Appetit
- Durchfall und Erbrechen
- Fieber
Der häufigste Grund, die Behandlung abzubrechen, waren erhöhte Leberwerte. Deshalb werden die Leberwerte während der Therapie regelmäßig kontrolliert.
Hinzu kommen Wechselwirkungen: CBD kann den Spiegel anderer Medikamente im Blut erhöhen, etwa von manchen Epilepsiemitteln, Schilddrüsenhormonen oder Blutverdünnern. Zusammen mit Valproinsäure steigt das Risiko für Leberschäden (MSD Manual). Nimmt Ihr Kind regelmäßig Medikamente, ist CBD ohne ärztliche Rücksprache besonders heikel.
Warum Fachleute bei Kindern abraten
Die EFSA hat 2022 und erneut 2026 große Datenlücken festgestellt. Ungeklärt ist vor allem, wie CBD auf Leber, Verdauung, Hormonsystem, Nervensystem und Psyche wirkt. In Tierversuchen zeigten sich schädliche Wirkungen auf die Fortpflanzung. Für gesunde Erwachsene hat die EFSA 2026 erstmals eine vorläufig sichere Menge genannt: 2 Milligramm am Tag für eine 70 Kilo schwere Person, und nur für hochreines CBD. Für Kinder und Jugendliche gilt dieser Wert ausdrücklich nicht.
Bei CBD-Öl aus dem Handel lässt sich zudem oft nicht sagen, wie viel wirklich drin ist. In einer Untersuchung waren nur 31 Prozent der Produkte korrekt gekennzeichnet, 43 Prozent enthielten mehr CBD als angegeben, 26 Prozent weniger. In 21 Prozent fand sich THC, der berauschende Wirkstoff von Cannabis (MSD Manual).
Schwangerschaft, Stillzeit und Babys
Auch für Schwangere und Stillende lässt sich die Sicherheit laut EFSA nicht belegen. Die Behörde sieht Hinweise auf Risiken für die Entwicklung des Nervensystems, wenn das Kind im Mutterleib CBD ausgesetzt ist. Für Babys gibt es außer den genannten Epilepsieformen ab zwei Jahren keine Zulassung.
Was in Österreich erlaubt ist
CBD-Extrakte in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln gelten in der EU als neuartige Lebensmittel und brauchen eine Zulassung. Eine solche gibt es bisher nicht. Laut AGES dürfen CBD-Öle und Lebensmittel, die mit CBD beworben werden, in Österreich deshalb nicht als Lebensmittel verkauft werden. Wer im Geschäft oder online CBD-Tropfen findet, hat also kein geprüftes Lebensmittel vor sich und schon gar kein Kinderprodukt.
Was Sie stattdessen tun können
- Bei Anfällen oder Verdacht auf Epilepsie: lassen Sie Ihr Kind kinderärztlich abklären. Ob Epidyolex in Frage kommt, entscheiden Fachärztinnen und Fachärzte für Kinderneurologie.
- Bei Schlafproblemen, Unruhe oder Ängsten: sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt über die Ursache, bevor Sie zu einem Präparat greifen.
- Bei Schmerzen oder Fieber: bewährte Kinderarzneimittel in der richtigen Dosierung, mehr dazu unter Fieber bei Kindern.
Hat Ihr Kind versehentlich CBD-Öl oder ein Hanfprodukt geschluckt und wirkt benommen, rufen Sie die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43 an, im Notfall die Rettung unter 144.
Häufige Fragen
Darf man Kindern CBD-Öl geben?
Ohne ärztliche Verordnung wird davon abgeraten. Die EFSA kann die Sicherheit von CBD für Menschen unter 25 Jahren nicht bestätigen. Zugelassen ist nur das Arzneimittel Epidyolex für bestimmte Epilepsieformen ab zwei Jahren.
Hilft CBD Kindern beim Einschlafen?
Dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis. Studien zu Schlaf, Angst oder Schmerz sind klein oder von geringer Qualität.
Welche Nebenwirkungen hat CBD bei Kindern?
Aus den Arzneimittelstudien bekannt sind vor allem Schläfrigkeit, Appetitmangel, Durchfall, Erbrechen, Fieber und erhöhte Leberwerte. Außerdem kann CBD die Wirkung anderer Medikamente verstärken.
Ist CBD in Österreich legal?
Als Arzneimittel auf Rezept ja. CBD-Öle und andere Lebensmittel mit CBD dürfen laut AGES nicht in Verkehr gebracht werden, weil es keine EU-Zulassung als neuartiges Lebensmittel gibt.