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Mutterschutz in Österreich: ab wann, wie lange und welche Rechte gelten

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mutterschutz österreich

Der Mutterschutz beginnt in Österreich acht Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet frühestens acht Wochen nach der Geburt. In dieser Zeit dürfen Sie nicht arbeiten, auch wenn Sie es wollten. Statt des Gehalts zahlt die Krankenkasse das Wochengeld, das Ihren bisherigen Nettoverdienst ersetzt.

Geschützt sind Sie aber schon viel früher: Sobald Ihr Arbeitgeber von der Schwanger­schaft weiß, gelten Beschäftigungsverbote, und Sie dürfen bis vier Monate nach der Geburt nicht gekündigt werden.

Ab wann beginnt der Mutterschutz?

Maßgeblich ist der Geburtstermin im ärztlichen Zeugnis. Die Schutzfrist beginnt genau 56 Tage davor. Kommt das Kind früher oder später zur Welt, verkürzt oder verlängert sich die Frist vor der Geburt entsprechend (oesterreich.gv.at, Beschäftigungsverbote vor der Entbindung).

Ein Beispiel: Ist der errechnete Termin der 15. März 2027, beginnt der Mutterschutz am 18. Jänner 2027. Kommt das Kind pünktlich, endet er am 10. Mai 2027, also acht Wochen nach der Geburt.

SituationMutterschutz nach der Geburt
normale Geburt8 Wochen
Frühgeburt, Mehrlinge oder Kaiserschnittmindestens 12 Wochen
Kind kommt vor dem errechneten Terminverlängert um die verlorenen Tage, höchstens auf 16 Wochen

Quelle: oesterreich.gv.at, Beschäftigungsverbote nach der Entbindung, § 5 Mutterschutzgesetz.

Insgesamt dauert der Mutterschutz also mindestens 16 Wochen. Auch nach einer Totgeburt ab 500 Gramm Geburtsgewicht gilt die volle Schutzfrist.

Vorzeitiger Mutterschutz

Wäre Ihre Gesundheit oder die Ihres Kindes gefährdet, wenn Sie weiterarbeiten, können Sie schon vor den acht Wochen freigestellt werden. Umgangssprachlich heißt das vorzeitiger oder frühzeitiger Mutterschutz, im Gesetz individuelles Beschäftigungsverbot.

Das Zeugnis stellt bei bestimmten medizinischen Gründen, die in der Mutterschutzverordnung aufgezählt sind, eine Fachärztin oder ein Facharzt für Frauenheilkunde oder Innere Medizin aus. Bei anderen Gründen braucht es eine Amtsärztin oder eine Ärztin des Arbeitsinspektorats, jeweils mit fachärztlichen Befunden (Arbeitsinspektion, Allgemeines zum Mutterschutz). Ab dem Datum des Zeugnisses bekommen Sie Wochengeld.

Was schon in der Schwanger­schaft verboten ist

Mit der Meldung der Schwanger­schaft gelten Einschränkungen, die Ihr Arbeitgeber einhalten muss (Arbeiterkammer Wien, Beschäftigungsverbot):

  • Heben: regelmäßig nicht mehr als 5 Kilo, gelegentlich nicht mehr als 10 Kilo ohne Hilfsmittel.
  • Stehen: Ab der 21. Schwanger­schaftswoche höchstens vier Stunden am Tag überwiegend im Stehen.
  • Zeitdruck: Akkord- und Fließbandarbeit mit vorgegebenem Tempo sind verboten, Arbeit unter Zeit- und Leistungsdruck ab der 21. Woche.
  • Gefahren: keine Arbeit mit gesundheitsgefährdenden Stoffen, Strahlen, bei Hitze, Kälte oder Nässe, mit erhöhter Unfallgefahr oder auf Beförderungsmitteln.
  • Überstunden: keine. Höchstens 9 Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche.
  • Nachtarbeit: grundsätzlich nicht zwischen 20 und 6 Uhr. In einigen Branchen wie Gesundheitswesen oder Verkehr bis 22 Uhr, danach mindestens 11 Stunden Ruhe.
  • Sonn- und Feiertage: grundsätzlich verboten, mit Ausnahmen etwa im Gastgewerbe.
  • Tabakrauch: Nichtraucherinnen dürfen nicht an Arbeitsplätzen mit Rauch arbeiten.

Sie haben außerdem das Recht, sich während der Arbeitszeit hinzulegen und auszuruhen, ohne dass Ihnen Lohn abgezogen wird. Vorsorgeuntersuchungen dürfen in die Arbeitszeit fallen, wenn sie anders nicht möglich oder nicht zumutbar sind. Im Zweifel entscheidet das Arbeitsinspektorat, ob eine Tätigkeit erlaubt ist.

Darf Ihre bisherige Arbeit wegen eines Verbots nicht mehr gemacht werden, muss der Arbeitgeber eine andere Tätigkeit anbieten oder die Arbeitszeit anpassen. Finanziell verlieren Sie dadurch nichts: Er zahlt den Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen weiter, ohne Überstunden und Sonntagszuschläge. Das gilt auch, wenn es im Betrieb gar keine erlaubte Arbeit für Sie gibt.

Schwanger­schaft melden

Sagen Sie Ihrem Arbeitgeber Bescheid, sobald Sie von der Schwanger­schaft wissen, und nennen Sie den voraussichtlichen Geburtstermin. Erst dann greifen die Schutzbestimmungen. Eine ärztliche Bestätigung müssen Sie nur vorlegen, wenn der Arbeitgeber sie verlangt. Die Arbeiterkammer rät, die Schwanger­schaft schriftlich zu melden und eine Bestätigung gleich beizulegen, am besten per Einschreiben (AK Wien, Bekanntgabe der Schwanger­schaft).

Der Arbeitgeber muss die Schwanger­schaft dann schriftlich beim Arbeitsinspektorat melden, mit Name, Alter, Tätigkeit, Arbeitsplatz und Geburtstermin. Eine Kopie bekommen Sie.

In der Probezeit müssen Sie die Schwanger­schaft nicht bekannt geben. Bei einem befristeten Arbeitsverhältnis oder in der Probezeit lassen Sie sich am besten vorher bei der Arbeiterkammer beraten.

Kündigungs- und Entlassungsschutz

Ab Beginn der Schwanger­schaft bis vier Monate nach der Geburt dürfen Sie nicht gekündigt werden. Gehen Sie danach in Karenz, verlängert sich der Schutz bis vier Wochen nach deren Ende. Eine Entlassung ist nur mit vorheriger Zustimmung des Arbeits- und Sozialgerichts wirksam (AK Wien, Kündigungsschutz).

  • Schwanger­schaft erst nach der Kündigung bekannt: Die Kündigung ist unwirksam, wenn Sie die Schwanger­schaft innerhalb von fünf Arbeitstagen nach der Kündigung melden und eine ärztliche Bestätigung vorlegen.
  • Befristeter Vertrag: Er läuft grundsätzlich bis zum Beginn des Mutterschutzes weiter. Das gilt nicht, wenn die Befristung sachlich gerechtfertigt ist, etwa bei einer Vertretung oder Saisonarbeit.
  • Probezeit: Hier gilt kein besonderer Kündigungsschutz. Werden Sie aber wegen der Schwanger­schaft gekündigt, ist das Diskriminierung. Anfechten können Sie das binnen 14 Tagen beim Arbeits- und Sozialgericht.
  • Einvernehmliche Auflösung: ist auch in der Schwanger­schaft möglich, muss aber schriftlich vereinbart werden.

Freie Dienstnehmerinnen haben Mutterschutz vor und nach der Geburt, aber keinen vollen Kündigungsschutz. Eine Kündigung wegen der Schwanger­schaft können sie binnen zwei Wochen bei Gericht anfechten. Für Landes- und Gemeindebedienstete gilt das Mutterschutzgesetz nicht, außer sie arbeiten in einem Betrieb des Landes oder der Gemeinde.

Wer im Mutterschutz zahlt

Während der Schutzfrist zahlt nicht der Arbeitgeber, sondern die Krankenkasse das Wochengeld. Es richtet sich nach dem Nettoverdienst der letzten drei Kalendermonate vor dem Mutterschutz, dazu kommt ein Zuschlag für Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Selbständige bekommen von der SVS eine Betriebshilfe. Wie das Wochengeld berechnet wird und wie Sie es beantragen, steht unter Wochengeld in Österreich.

Nach dem Mutterschutz

Bis zwölf Wochen nach der Geburt bleiben schwere Arbeiten, überwiegendes Stehen, Akkordarbeit und gefährliche Stoffe verboten, wenn Sie früher zurückkommen. Stillende Mütter haben Anspruch auf bezahlte Stillzeit: 45 Minuten bei mehr als 4,5 Stunden Arbeit am Tag, zweimal 45 Minuten ab 8 Stunden. Die Stillzeit gilt als Arbeitszeit, eine Altersgrenze für das Kind gibt es nicht (AK Wien, Stillzeiten).

Direkt an den Mutterschutz kann die Elternkarenz anschließen. Die Arbeiterkammer Wien berät zu Mutterschutz, Karenz und Kinderbetreuungs­geld telefonisch unter +43 1 501 65 1201, Montag bis Freitag von 8 bis 15.45 Uhr.

Häufige Fragen

Ab wann ist man in Österreich im Mutterschutz?

Acht Wochen, also 56 Tage, vor dem errechneten Geburtstermin. Bei gesundheitlicher Gefahr kann eine Ärztin Sie schon früher freistellen.

Wie lange dauert der Mutterschutz?

Mindestens 16 Wochen: acht vor und acht nach der Geburt. Nach Frühgeburt, Mehrlingsgeburt oder Kaiserschnitt sind es nach der Geburt mindestens zwölf Wochen.

Bekomme ich im Mutterschutz mein Gehalt?

Nein, statt des Gehalts zahlt die Krankenkasse das Wochengeld. Es entspricht ungefähr Ihrem bisherigen Nettoverdienst samt anteiligem Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Kann ich im Mutterschutz gekündigt werden?

Nein. Der Kündigungsschutz gilt ab Beginn der Schwanger­schaft bis vier Monate nach der Geburt, in der Karenz bis vier Wochen nach deren Ende.

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