Wien
Wochengeld in Österreich: Höhe, Berechnung und Antrag
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Das Wochengeld ersetzt im Mutterschutz Ihren Nettoverdienst. Die Krankenkasse nimmt dafür den Durchschnitt der letzten drei vollen Kalendermonate vor dem Mutterschutz und schlägt 14, 17 oder 21 Prozent für Urlaubs- und Weihnachtsgeld auf. Wer bisher 2.000 Euro netto im Monat verdient hat und 14 Gehälter bekommt, erhält rund 76 Euro Wochengeld am Tag.
Gezahlt wird mindestens 16 Wochen lang: acht Wochen vor dem Geburtstermin, am Tag der Geburt und acht Wochen danach. Nach Frühgeburt, Mehrlingsgeburt oder Kaiserschnitt sind es nach der Geburt mindestens zwölf Wochen.
Wer Wochengeld bekommt
Anspruch haben laut Österreichischer Gesundheitskasse Frauen, die durch den Mutterschutz ein Einkommen verlieren:
- Arbeiterinnen, Angestellte und Vertragsbedienstete mit Pflichtversicherung
- freie Dienstnehmerinnen mit Pflichtversicherung in der Krankenversicherung
- Frauen, die Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehen
- Bezieherinnen von Kinderbetreuungsgeld, wenn sie schon beim aktuellen Kinderbetreuungsgeld Anspruch auf Wochengeld hatten
- Frauen mit mehreren geringfügigen Jobs sowie geringfügig Beschäftigte, die sich selbst versichert haben
Selbständige und Bäuerinnen bekommen kein Wochengeld, sondern Betriebshilfe von der SVS: eine Ersatzarbeitskraft oder unter bestimmten Voraussetzungen 72,18 Euro pro Tag (Bundeskanzleramt, Wochengeld und Betriebshilfe, Stand 2026).
So wird das Wochengeld berechnet
- Nettoverdienst: Ihr Arbeitgeber meldet der ÖGK den Nettoverdienst der letzten drei vollen Kalendermonate vor Beginn des Mutterschutzes, ohne Sonderzahlungen.
- Zuschlag: Die ÖGK schlägt für Urlaubs- und Weihnachtsgeld pauschal 14 Prozent auf, wenn Ihnen Sonderzahlungen bis zu einem Monatsgehalt zustehen, 17 Prozent bei bis zu zwei Monatsgehältern und 21 Prozent bei mehr als zwei.
- Tagessatz: Aus dieser Summe wird der Tagesdurchschnitt berechnet. Er ist Ihr tägliches Wochengeld.
Quelle: ÖGK, Arbeits- und Entgeltbestätigung für Wochengeld.
Regelmäßige Überstunden und Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit, die Sie vor der Meldung der Schwangerschaft bekommen haben, zählen mit. Das hat der Oberste Gerichtshof entschieden, weil Schwangere danach keine Überstunden mehr machen dürfen (Arbeiterkammer Wien, Wochengeld).
Rechenbeispiel
Eine Angestellte mit 14 Gehältern verdient 2.000 Euro netto im Monat. Ihr Mutterschutz beginnt im September, maßgeblich sind also Juni, Juli und August mit zusammen 92 Tagen.
| Nettoverdienst Juni bis August | 6.000,00 € |
| plus 17 Prozent Zuschlag für zwei Sonderzahlungen | 1.020,00 € |
| Summe | 7.020,00 € |
| geteilt durch 92 Tage = Wochengeld pro Tag | 76,30 € |
| für 113 Tage (8 Wochen + Geburtstag + 8 Wochen) | 8.621,90 € |
Kommt das Kind per Kaiserschnitt, verlängert sich der Bezug nach der Geburt auf zwölf Wochen. Das sind 28 Tage oder rund 2.136 Euro mehr.
Sonderfälle
| Situation | Wochengeld |
|---|---|
| Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe | bisheriger Betrag plus 80 Prozent |
| Kinderbetreuungsgeld für ein älteres Kind | in Höhe des täglichen Kinderbetreuungsgeldes |
| geringfügig beschäftigt und selbstversichert | fix 12,19 € pro Tag (2026) |
| freie Dienstnehmerin | nach dem Nettoeinkommen aus den Bruttobezügen der letzten drei Monate |
| Elternkarenz ohne Kinderbetreuungsgeld | Sonderwochengeld, 60 Prozent des letzten Verdienstes vor der Karenz |
| Bildungskarenz mit Weiterbildungsgeld | nach dem Verdienst der drei Monate vor dem Weiterbildungsgeld |
Quellen: ÖGK, Bundeskanzleramt, Arbeiterkammer Wien, Stand September 2026.
Das Sonderwochengeld bekommen Frauen, die während der Elternkarenz wieder schwanger werden und kein Kinderbetreuungsgeld mehr beziehen. Laut Arbeiterkammer gilt es rückwirkend für Schutzfristen ab 1. September 2022. Auch wer nach der Karenz kurz wieder arbeitet und innerhalb von drei Monaten erneut in den Mutterschutz geht, kann es bekommen. Die Kasse vergleicht dann, welcher Betrag höher ist (ÖGK, Sonderwochengeld).
Wochengeld beantragen
Den Antrag stellen Sie bei Ihrer Krankenkasse, in Wien meist bei der ÖGK in der Wienerbergstraße 15-19 im 10. Bezirk, Telefon für Fragen zum Wochengeld: +43 5 0766-118000. Schicken Sie zu Beginn des Mutterschutzes:
- die ärztliche Bestätigung über den voraussichtlichen Geburtstermin
- bei vorzeitigem Mutterschutz das fachärztliche oder amtsärztliche Freistellungszeugnis
- Ihre Bankverbindung (IBAN)
Die Arbeits- und Entgeltbestätigung für das Wochengeld schickt Ihr Arbeitgeber direkt an die ÖGK. Ausgezahlt wird alle vier Wochen im Nachhinein, die erste Zahlung kommt also rund vier Wochen nach Beginn des Mutterschutzes.
Wochengeld und Kinderbetreuungsgeld
Das Wochengeld ist zugleich die Grundlage für das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld. Dieses beträgt 80 Prozent des Wochengeldes, höchstens 80,12 Euro am Tag (2026). Im Beispiel oben wären das 61,04 Euro pro Tag.
Wird Ihr Wochengeld nachträglich erhöht, etwa weil Überstunden nachgerechnet werden, steigt das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld nicht automatisch. Die Neuberechnung müssen Sie schriftlich beantragen, und zwar innerhalb von 14 Tagen nach der Mitteilung über das höhere Wochengeld.
Wann der Mutterschutz beginnt und welche Rechte Sie in der Schwangerschaft haben, steht unter Mutterschutz in Österreich. Die Untersuchungen, die Sie für das volle Kinderbetreuungsgeld brauchen, stehen unter Eltern-Kind-Pass.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Wochengeld in Österreich?
So hoch wie Ihr durchschnittlicher Nettoverdienst der letzten drei Monate, plus 14 bis 21 Prozent für Sonderzahlungen, umgerechnet auf den Tag. Geringfügig Beschäftigte mit Selbstversicherung bekommen fix 12,19 Euro am Tag.
Wie lange bekommt man Wochengeld?
Acht Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt, bei Frühgeburt, Mehrlingen oder Kaiserschnitt zwölf Wochen danach. Kommt das Kind zu früh, verlängert sich der Bezug nach der Geburt, höchstens auf 16 Wochen.
Wann wird das Wochengeld ausgezahlt?
Alle vier Wochen im Nachhinein, gerechnet ab Beginn des Mutterschutzes.
Bekomme ich Wochengeld, wenn ich arbeitslos bin?
Ja. Wer Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezieht, bekommt den bisherigen Betrag plus 80 Prozent.